Erzählt man einem Fremden, dass man Selbstgespräche führt, hält man einen wahrscheinlich für exzentrisch. Doch die Wahrheit ist: Wir alle haben eine innere Stimme. Wenn wir mit uns selbst sprechen, hoffen wir oft, unseren inneren Coach zu erreichen, treffen aber stattdessen auf unseren inneren Kritiker. Stehen wir vor einer schwierigen Aufgabe, kann uns unser innerer Coach Mut machen: Konzentrier dich – du schaffst das! Doch genauso oft zieht uns unser innerer Kritiker völlig runter: Ich werde scheitern. Alle werden mich auslachen. Wozu das Ganze?
In seinem Buch „Chatter“ untersucht der renommierte Psychologe Ethan Kross die inneren Dialoge, die wir mit uns selbst führen. Er verknüpft bahnbrechende Verhaltens- und Hirnforschung aus seinem eigenen Labor mit Fallbeispielen aus dem echten Leben – von einem Baseballspieler, der das Werfen vergisst, bis hin zu einer Harvard-Studentin, die ihr Doppelleben als Spionin meistert – und erklärt, wie diese Gespräche unser Leben, unsere Arbeit und unsere Beziehungen prägen. Er warnt davor, dass das Nachgeben gegenüber negativen und desorientierenden Selbstgesprächen – die er „Chatter“ nennt – unsere Gesundheit schädigen, unsere Stimmung verschlechtern, unsere sozialen Beziehungen belasten und uns unter Druck zusammenbrechen lassen kann.
Die gute Nachricht ist: Wir besitzen bereits die nötigen Werkzeuge, um unsere innere Stimme zu unserem Vorteil zu nutzen. Diese Werkzeuge liegen oft direkt vor unseren Augen – in den Worten, mit denen wir über uns selbst denken, den Technologien, die wir verwenden, den Tagebüchern in unseren Schubladen, den Gesprächen mit unseren Liebsten und den Kulturen, die wir in unseren Schulen und am Arbeitsplatz schaffen.