Warum können unsere politischen Führungskräfte angesichts drohender Gefahren und wachsender Probleme nicht zusammenarbeiten? Warum unterstellen die Menschen ihren Mitbürgern so schnell das Schlimmste? In seinem Buch „Die Gerechtigkeitsfalle“ untersucht der Sozialpsychologe Jonathan Haidt die Ursprünge unserer Spaltungen und zeigt Wege zu gegenseitigem Verständnis auf.
Sein Ausgangspunkt ist die moralische Intuition – die beinahe augenblicklichen Wahrnehmungen, die wir alle über andere Menschen und deren Handlungen haben. Diese Intuitionen erscheinen uns wie selbstverständliche Wahrheiten und lassen uns felsenfest davon überzeugt sein, dass diejenigen, die die Dinge anders sehen, im Unrecht sind. Haidt zeigt uns, wie sich diese Intuitionen in verschiedenen Kulturen unterscheiden, auch in den Kulturen des politischen Spektrums. Er verknüpft seine eigenen Forschungsergebnisse mit denen von Anthropologen, Historikern und anderen Psychologen, um eine Landkarte des moralischen Bereichs zu zeichnen. Anschließend untersucht er die Ursprünge der Moral und widerlegt die Ansicht, die Evolution habe uns zu im Grunde egoistischen Wesen gemacht. Doch anstatt zu argumentieren, wir seien von Natur aus altruistisch, stellt er eine subtilere These auf: Wir seien im Grunde gruppenorientiert. Es ist unsere Gruppenorientierung, erklärt er, die zu unseren größten Freuden, unseren religiösen Spaltungen und unseren politischen Zugehörigkeiten führt. In einem beeindruckenden Schlusskapitel über Ideologie und Zivilisiertheit zeigt Haidt, worin jede Seite Recht hat und warum wir die Einsichten von Liberalen, Konservativen und Libertären brauchen, um als Nation zu gedeihen.