„Die Bibel eines Mannes“ ist der zweite Roman des Nobelpreisträgers Gao Xingjian, der in englischer Übersetzung erschienen ist. Nach seinem hochgelobten Roman „ Der Seelenberg“ ist auch dieses spätere Werk ebenso offenherzig wie sein Vorgänger und mit derselben Anmut und Schönheit geschrieben.
In einem Hotelzimmer in Hongkong im Jahr 1996 weckt Gao Xingjians Geliebte Marguerite Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend im Schatten Mao Zedongs und der Kulturrevolution in ihm. Gao lebt im selbstgewählten Exil in Frankreich und ist für die Aufführung eines seiner Theaterstücke in diesen westlich geprägten chinesischen Stadtstaat gereist, der so nah an seiner Heimat liegt.
Was folgt, ist eine fiktionalisierte Darstellung von Gao Xingjians Leben unter dem kommunistischen Regime. Ob in den riesigen Büros Pekings oder in abgelegenen Dörfern – der Alltag ist von Paranoia und Angst geprägt, während Revolutionäre, Konterrevolutionäre, Reaktionäre, Gegenreaktionäre und die Regierungspropaganda die Bürger gegeneinander aufhetzen. Es ist ein Ort, an dem ein einziger Satz, der zehn Jahre zuvor gesprochen wurde, einen zum Staatsfeind machen kann. Gao schildert die seelische Qual der politischen und intellektuellen Unterdrückung in eindringlichen Details, einschließlich der herzzerreißenden Enttäuschungen, die er in seinen Beziehungen zu Frauen und Männern gleichermaßen erleidet.
„One Man's Bible“ ist eine tiefgründige Meditation über das Wesen des Schreibens, über das Exil, über die Auswirkungen politischer Unterdrückung auf den menschlichen Geist und darüber, wie der menschliche Geist triumphieren kann.