Vavachan, ein Pulayan, erhält die Chance, in einem Musikdrama einen Polizisten mit einem imposanten Schnurrbart zu spielen. Die Figur tritt nur in zwei Szenen auf und hat keinen Dialog. Doch Vavachans Darstellung und sein Schnurrbart ängstigen das überwiegend aus höheren Kasten stammende Publikum und wecken in ihnen Erinnerungen an einflussreiche Dalit-Figuren wie Ravana.
Daraufhin weigert sich Vavachan, dessen Volk traditionell kein Gesichtshaar tragen durfte, seinen Schnurrbart abzurasieren. Unzählige Geschichten ranken sich um die Legende seines magischen Schnurrbarts, in dem Vögel nisten, der es seinem Träger ermöglicht, gleichzeitig an verschiedenen Orten zu erscheinen und im Nu zu verschwinden, der so hoch wie der Himmel und so dicht wie Regenwolken wächst – und machen Vavachan zu Schnurrbart, einer Gestalt von mythischen Ausmaßen.
Angesiedelt in Kuttanad, einer unter dem Meeresspiegel gelegenen Landwirtschaftsregion an der Südwestküste Keralas, erzählt der Roman ebenso sehr die Geschichte dieses Landes wie die von Vavachan und seinen anderen Bewohnern. Während sie sich in der komplexen Wasserlandschaft bewegen, entfalten sich Geschichten, in denen Ökologie, Machtverhältnisse und Politik zu zentralen Themen werden.
Ursprünglich in Malayalam unter dem Titel Meesha erschienen, ist S. Hareeshs „Moustache“ ein moderner Klassiker, der Magie, Mythos und Metapher zu einer Geschichte von weitreichender Bedeutung verwebt.