Für Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) stand die Kunst in ihrer Fähigkeit, das Wesen des Seins zu offenbaren, fast gleichauf mit Religion und Philosophie. Obwohl er im goldenen Zeitalter Deutschlands mit Goethe, Schiller und Mozart lebte, glaubte er dennoch an den Niedergang der Kunst.
Um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, müssen wir, wie Michael Inwood in seiner scharfsinnigen Einleitung erläutert, die besondere Stellung der Ästhetik in Hegels umfassendem intellektuellem Gebäude verstehen. Dessen zentrale Säulen bilden Logik, Naturphilosophie und Geistesphilosophie. Die Kunst bezieht ihren Wert aus der sinnlichen Vision des gottähnlichen Absoluten, aus der harmonischen Verschmelzung von Form und Inhalt und aus der Zusammenfassung der Weltanschauung einer Epoche wie der Homers. Während die Kunst im antiken Griechenland höchste Höhen erreichte, bezweifelte Hegel ihre Fähigkeit, den christlichen Glauben oder die für moderne Gesellschaften charakteristische reflektierende Ironie zu umfassen. Viele dieser anspruchsvollen Ideen werden in dieser herausragenden Abhandlung entwickelt; sie zählt zu den anregendsten Werken eines Meisterdenkers.