Benjamin Franklin ist der Gründervater, der uns zuzwinkert. Ein ehrgeiziger Großstadtunternehmer, der die soziale Leiter emporstieg – vom Ladenbesitzer mit Lederschürze bis zum Gast im Königshaus –, wirkt er menschlich und nicht wie aus Marmor. In Walter Isaacsons lebendiger und geistreicher Biografie entdecken wir, warum Franklin uns von der Bühne der Geschichte mit funkelnden Augen hinter seiner modernen Brille zuzuwenden scheint. Indem er Franklin zum Leben erweckt, zeigt Isaacson, wie dieser seine Zeit und unsere mitgeprägt hat.
In seinem 84-jährigen Leben war er Amerikas bester Wissenschaftler, Erfinder, Diplomat, Schriftsteller und Unternehmensstratege und zugleich einer seiner pragmatischsten – wenn auch nicht der tiefgründigste – politischen Denker. Er bewies durch einen Drachenflug, dass Blitze Elektrizität sind, und erfand einen Blitzableiter, um sie zu bändigen. Er suchte nach praktischen Lösungen, um Öfen rauchärmer und die Korruption in den Gemeinwesen zu bekämpfen. Er organisierte Nachbarschaftswehren und internationale Bündnisse, lokale Leihbibliotheken und nationale Parlamente. Er kombinierte zwei Linsentypen, um Bifokalbrillen zu entwickeln, und zwei Repräsentationskonzepte, um den föderalen Kompromiss der Nation zu fördern. Er war der Einzige, der alle Gründungsdokumente Amerikas prägte: den Albany-Plan, die Unabhängigkeitserklärung, den Bündnisvertrag mit Frankreich, den Friedensvertrag mit England und die Verfassung. Und er trug maßgeblich zur Entwicklung des einzigartigen amerikanischen Stils bei, der sich durch bodenständigen Humor, demokratische Werte und philosophischen Pragmatismus auszeichnet.
Doch das Interessanteste, was Franklin erfand und immer wieder neu erfand, war er selbst. Als Amerikas erster großer Publizist bemühte er sich zeitlebens und in seinen Schriften bewusst darum, einen neuen amerikanischen Archetyp zu erschaffen. Dabei formte er sorgfältig seine eigene Persona, inszenierte sie in der Öffentlichkeit und polierte sie für die Nachwelt.
Bei all dem vertraute er den Herzen und dem Verstand seiner Mitbürger mehr als denen irgendeiner abgehobenen Elite. Er sah die Werte des Bürgertums als Quelle gesellschaftlicher Stärke, nicht als etwas, das man verachten sollte. Sein Leitprinzip war eine „Abneigung gegen alles, was den Geist des einfachen Volkes zu erniedrigen drohte“. Nur wenige seiner Mitgründer empfanden diese Verbundenheit mit der Demokratie so vollkommen, und keiner so intuitiv.
In dieser farbenfrohen und persönlichen Erzählung zeichnet Isaacson das gesamte Leben Franklins nach, von seinen Anfängen als ausgerissener Drucker bis zu seinen Triumphen als Staatsmann, Wissenschaftler und Gründervater der Vereinigten Staaten. Er schildert Franklins turbulente Beziehung zu seinem unehelichen Sohn und Enkel, seine pragmatische Ehe und seine Liebschaften mit den Damen von Paris. Er zeigt auch, wie Franklin zur Prägung des amerikanischen Charakters beitrug und warum er im 21. Jahrhundert eine besondere Bedeutung besitzt.